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Rosenmontag: 20.02.2012

der Zoch kütt in

354Tage06Std56Min36Sek

Epigramm

 

Narren sind, die andern eine Freude gönnen

und über eigene Dummheit lachen können;

doch wer nur über andere zu ulken versteht

und bei einem Scherz über sich in die Höhe geht,

verdient nicht den Namen "Karnevalist",

weil er ein Spaßverderber ist.

(Rudi vorn Endt, Düsseldorfer Malerpoet)

 

Wenn über die Geschichte des Düsseldorfer Karnevals geschrieben wird, dann darf auch Johann Wolfgang von Goethe nicht fehlen. Im ausklingenden 18. Jahrhundert war die Stadt ein Mittelpunkt künstlerischen und geistigen Lebens und Schaffens. Neben vielen anderen bedeutenden Künstlern und Geistesgrößen jener Zeit gab auch der Dichterfürst dem Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi und seinem Bruder Johann Georg, dem Dichter, auf ihrem Sitz in Pempelfort die Ehre. Bei seinem zweifachen Gastspiel, 1774 und 1792, erlebte er dort allerdings kein Karnevalstreiben. Dem nahe kam aber ein Vorschlag, den Friedrich Heinrich gerade um die Zeit eines Goethe-Aufenthalts in einer seiner kleinen Schriften machte: nämlich eine Gesellschaft des Heiteren zu gründen, in der nicht von denbeln dieser Welt gesprochen und in allem nur die gute Seite gesehen werden sollte. Mit dem Karneval Bekanntschaft gemacht hatte der große Dichter 1788 in Rom und ihn so gepriesen: Er sei "ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt". Als Goethe sich in einem seiner Werke über Kunst und Altertum positiv über den Karneval ausließ, kam man in Köln - leider nicht in Düsseldorf - auf den Gedanken, ihn zum Dank zur Fastnachtsfeier 1825 einzuladen, also just im Jahr der Gründung des Düsseldorfer CC. Der Olympier folgte zwar nicht dem Anerbieten, dankte aber mit einem humorvollen Gedicht, aus dem ein Vierzeiler heute praktisch jedermann geläufig ist:

 

Löblich wird ein tolles Streben,

Wenn es kurz ist und mit Sinn;

Heiterkeit zum Erdenleben

Sei dem flüchtigen Rausch Gewinn.

 

Noch fast lieber zitieren Karnevalisten die Feststellung des Dichters, nachdem er später den Karneval am Rhein tatsächlich kennen- und schätzengelernt hatte:

 

"Ohne Fastnachtstanz und Mummenspiel

- ist am Februar auch nicht viel."

 

Jedenfalls: Für die Gestaltung des Karnevals in Düsseldorf, in den man wie auch andernorts eine gewisse Ordnung nach drohender Ausartung zu bringen versuchte, war neben dem Jahr 1825 nach landläufiger Ansicht auch Goethe von Bedeutung. "Der Karneval 1825", meinte ein Schriftsteller sogar, "hat im Zeichen Goethes gestanden."

 

Nicht besonders erbaut schien der greise Dichter und Staatsminister jedoch gewesen zu sein, als ihm die Dülkener "Erleuchtete Monduniversität und berittene Akademie der Künste und Wissenschaften", zu der die Düsseldorfer Narren gute Beziehungen unterhielten, ohne vorherige Rückfrage einige jecke Ehrungen zuteil werden ließ. Ende 1828 wurde dem greisen Herrn in Weimar eine merkwürdige Sendung zugestellt, die Schriften, Preisaufgaben, Orden und ein Diplom enthielt, das den Dichter und Staatsminister zum "Ehrendoktor und Ritter des jungen Lichts" ernannte. Absender: die "Monduniversität". Hatte sich da jemand einen unziemlichen Scherz erlaubt? Goethe selbst, außerdem zum Ehrenmitglied Nr. 1977 der Dülkener Hochschule erhoben, glaubte das wohl nicht. Er verschnürte die Sendung und schrieb darauf: "Rheinische Absurdität!" Dann legte er alles in eine Schublade seines Schreibtischs. Erst nach seinem Tod fand man dort die närrischen Utensilien...

 

Die Karnevalszeitungen von heute hatten schon eine frühe Vorläuferin:
In der närrischen Zeit 1781 lag ein solches Exemplar den "Gülich und Bergischen Wöchentlichen Nachrichten" bei. Ein Beispiel dafür, worüber man sich damals amüsierte: ein "berümhter moralischer Lebens Balsam, dessen Erfinder, ein englischer Matrose Nahmens Orang Outang, aller Orten damit uhnglaubliche Wunder Kuren verrichtet".,, Dieser Balsam", so wörtlich, "reinigt das Herz von allem Schleim bürgerlicher alt modischer Tugenden. Alle Pedanten vom Viehlosofen und Professor bis zum Schulmeister und Küster, lateinisch, teutsch, griechisch und hebräischen Geschlechts, wenn sie auch völlig unverdauliche Narren und zum Tollhaus qualificirt seyn möchten, können sich von dieser Arzney eine gewisse Hülfe versprechen, wenn sie bey jedem Anfall ein Maul voll von diesem Balsam nehmen und so lang im Mund behalten, bis sie einschlafen."

 

Im Düsseldorf der Kindheit Heinrich Heines, 1806 zur Metropole des Großherzogturms Berg avanciert, "war der Karneval ein Gemisch von bodenständigem, derbem Volkshumor und prikkelnder französischer Lustbarkeit", analysierte einmal Altstadtpoet Hans Müller-Schlösser, der Vater des "Schneider Wibbel".,, Die Not der Zeit, die den Wohlstand des Landes untergrub, berührte Düsseldorf nicht so sehr, weil es eben die Hauptstadt war und die vielen französischen Verwaltungsbeamten beherbergte, die ein gutes Leben gewöhnt waren und Geld unter die Leute brachten. Es hatte sich daher in Düsseldorf ein verhältnismäßiger Bürgerwohlstand entwickelt, der es den Leuten ermöglichte, den Karneval drei Tage lang tüchtig zu feiern. Von einer sogenannten Karnevalssaison kannte man damals aber nichts. Man beschränkte die Fastnachtsbelustigungen auf den Monat Februar und fing damit nicht schon wie heute im November an."In der zweiten Düsseldorfer Franzosenzeit - die erste dauerte von 1795 bis 1801 - ging es mit der Stadt die 1806 nicht mal 20 000 Einwohner zählte, zunächst erfreulich aufwärts. Von hier aus wurde immerhin ein Staatsgebilde regiert, in dem nahezu eine Million Menschen lebten. Behörden und Beamte drängten nach Düsseldorf wie nie zuvor. Napoleon selbst, obwohl durch tüchtige Statthalter vertreten und hier nur einmal, Anfang November 1811, zu Gast, ließ sich Wohl und Wehe des Landes und der Stadt höchstselbst angelegen sein. Trotz harten Regiments war den Düsseldorfern aber der traditionelle Spaß an der Freud‘ nicht zu verderben. Scharfe Verordnungen vermochten den Karneval zwar auf Säle zu beschränken und vorübergehend einzuschläfern, ausrotten konnten sie das Virus des Frohsinns jedoch nicht. Die Geschichte lehrt, daß die Bürger sich gerade nach stürmischen und kriegerischen Zeiten und nach grassierenden Seuchen bereitwillig von ihm anstecken ließen.

 

Die Karnevalsverordnung von Februar 1806 stammte allerdings noch von Max Joseph, der, bald darauf König von Bayern, das Bergische Land und seine Residenzstadt Düsseldorf mit agen Rechten an Napoleon abtrat. An den Fastnachtstagen. an denen es keine Polizeistunde gab und Gast-, Wein~ und Kaffeewirtschaften die ganze Nacht offenbleiben durften, mußte sich nach dieser "Humane Verfügung" jeder Maskierte mit einer für einen Tag gültigen Polizeikarte versehen, die sechs Stüber kostete; das Geld, eine Art früher Lustbarkeitssteuer, floß erfreulicherweise in die Armenkasse. Wer ohne Polizeikarte angetroffen wurde, mußte mit auf die Wache und das Doppelte zahlen. Auch an den Ballsälen hatte man, ob maskiert oder nicht, sechs Stüber zu entrichten.

 

Diese Verfügung des ehemaligen Landesherrn "zum Besten der Armen" wurde fünf Jahre später erneuert. Wer ohne Maskenkarte, die auf der "Mairie" - man beachte: Es war Franzosenzeit - abzuholen war, erwischt wurde, hatte bei "sofortiger Arretirung" einen Reichstaler Strafe zu zahlen. Die damalige Polizeiverordnung ließ niemanden im unklaren:

 

"Keiner, der während der drei Karnevalstage verkleidet oder maskiert über die Straße geht, darf ohne besondere Erlaubnis des Polizeiamtes Degen, Säbel oder sonstige Waffen tragen. Keiner darf eine Maske oder Verkleidung wählen, durch die SittlichLit und öffentliche Ruhe gestört würden. Es ist allen Maskierten aufs schärfste untersagt, mit jemand, wer immer es sein möge, Streit zu suchen oder mit Gewalt in Häuser oder Läden einzudringen." Es war gleichfalls jedermann verboten, die maskierten Personen - in närrischer Zeit etwas seltsam - zu necken.

 

Die besseren Kreise vergnügten sich in jenen Tagen auf den Maskenbällen, wie sie in den ‚~Großherzoglichen Bergischen Wöchentlichen Nachrichten" beispielsweise 1811 angezeigt wurden: ~‚Samstag, den 2. Februar, öffentlicher Maskenball im großen und neu dekorierten Galleriesaale. Das Abonnement (3 Billets) zu drey dieser Bälle, welche am 2., 10. Und 17. dieses Monats gegeben werden, kostet 1 Rthlr. 30 Stüber. Eintrittspreis 40 Stüber." Das war für die kleinen Leute viel Geld, so daß sie sich an den Fastnachtstagen in preiswerteren Etablissements, "bei Masen, Schmitz oder Giesen", verlustierten. Das ging dort manchmal "so lustig" zu, wird berichtet, "daß man sich auf diesen Bällen (besser) nicht ohne Maskenanzug sehen ließ". Die richtigen, deftigen Bürger tanzten über Fastelowend bei Gilles, Kohlweck, bei Hoffmann und Jansen.     [nach oben]

 

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