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Rosenmontag: 20.02.2012

der Zoch kütt in

354Tage06Std48Min08Sek

Der erste Rosenmontagszug - Held Karneval wollte die Stadt sehen

 

Die Geburtsstunde des Düsseldorfer Rosenmontagszuges schlug am 14. Spörkel (Februar) 1825. Zu verdanken war jener erste Zug dem Helden Karneval, der laut Chronik eine "unwiderstehliche Lust" verspürte, "die ihm bereits im fernen Auslande so sehr gerühmte Rheinstadt an der Düssel und deren schöne Straßen, Alleen und Umgebungen in hohen Augenschein zu nehmen". Aus relativ bescheidenen Anfängen - damals zählte Düsseldorfer gerade mal 25 000 Einwohner - entwickelte sich dann im Laufe der Zeit das farbige Ungetüm, das die Düsseldorfer seit langem liebevoll "dä Zoch" nennen.

 

Held Karneval nahm, wie schon beschrieben, damals an der Narrenhochzeit seines Gesandten "Giselinus von und zu Schmerzenbier von der Fakultät der Dülkener Narrenakademie" mit dem "wohlachtbaren Fräulein Priska Petronella Düsselblashorn aus der Altstadt" teil. Nach der Mittagstafel holten das Brautpaar und die zahlreichen in- und ausländischen Hochzeitsgäste S. Tollität ab und gaben ihr in einem (für damalige Verhältnisse) prächtigen Zug, zu dem die Ersten der Stadt den hohen und höchsten Narren ihre Wagen und Geschirre überlassen hatten, das Ehrengeleit. "Diesem ersten Düsseldorfer Rosenmontagszuge voran ritt auf einem hier noch nie gesehenen grünen Esel (einen "Grünen Esel" gab‘s wohl als Wirtshaus auf der heutigen Königsallee, damals Mittelallee) der reich und in den Narrenfarben Grün-Rot Gelb-Weiß buntscheckig ausstaffierte Zugführer", griff Georg Spickhoff ursprüngliche Schilderungen auf "Der Zugführer trug eine selbstverständlich ganz kostbare Fahne mit der Inschrift: ‚Dülken und Düsseldorf, welche wichtigen Punkte der Erde zur Fastnachtszeit in naher Verwandtschaft stehen. Ihm folgten ein Kurier, ein Musikkorps, mehrere Trompeter und der - wenn auch etwas stark gepuderte - schöne Götterbote Merkurius.. Dann sah das entzückte Auge den in orientalischer Pracht strahlenden Helden Karneval, begleitet von seinem Hofmarschall Kalb, dem Zeremonienmeister, dem Dülkener Windmühlenträger als Hofnarr, einem Kinde und sechs geschmackvoll gekleideten Adjutanten zu Pferde. Weitere imponierende Gruppen bildeten ein ‚tatsächlich brillanter‘ Zug von 24 Rittern mit ihrem Obersten Otto von Wittelsbach an der Spitze und, von Reitern eskortiert, eine Anzahl fremder Prinzen und Gesandter, aus deren ‚charakteristischem Exterieur‘ die von ihnen vertretenen Höfe unschwer zu erraten waren.

 

In der zweiten Abteilung erschien nach einem Kurier, einer Musikkapelle und dem Kommandanten der Dülkener Miliz nebst seinem Adjutanten im mehr bürgerlich-soliden Schmuck das hohe Brautpaar Priska-Giselinus. Mit ihm kamen die beiderseitigen ehrbaren Eltern, viele Freunde und Freundinnen und mehrere ausländische Diplomaten. Dann folgte eine dralle Dienstmagd bzw. die vormalige Erzieherin der jetzt so sehr erhöhten Braut mit einer betagten Gesellschaftsdame. Auch die Leibärzte Sr. Tollität, der Braut und des Bräutigems fehlten nicht. Weiter erblickte man im bunten Wirrwarr und voller Leben und Beweglichkeit die früheren Gespielinnen und Nachbarinnen Priskas aus der Altstadt, dagegen bedächtig und würdig einherschreitend edle Dülkener Ratsherren in ihrer merkwürdigen altertümlichen Tracht, ferner viel Volk und den Dülkener Schulmeister, der seine Schuljungen in den Zwischenpausen der s Musik das passende Lied singen ließ: ‚Wir winden dir den Jungfernkranz.‘ Den Schluß machte endlich der Nachfolger des glücklich beförderten Giselinus auf dessen früherem Nachtwächterpostens.

 

Er ritt einen asiatischen Maulesel und stieß, sobald die Schulbuben zu singen aufhörten, mehrmals mächtig und furchtbar prächtig in sein Horn, was dem imposanten Zuge etwas Frappantes, Aufregendes und Ungewöhnliches gab."

 

In Versen bejubelt wurde der Umzug des "Helden" hernach natürlich auch:

 

"Und mit Glanz und selt‘nen Sitten, mächtig wie ein Poten tat, zieht Sir Karneval beritten durch die Straßen unserer Stadt. Auch der Park und die Alleen und des Rheinstroms hehre Pracht und, was sonst noch schön zu sehen, was die Stadt berühmt gemacht, fesselt unsers Helden Blicke, überrascht ihn wunderbar..."

 

Überall äußerte "Sir Karneval" seine Bewunderung "und gab begeistert zu verstehen, daß er unsere schöne Rheinstadt, die so ganz für seine und seiner Ritter Prachtliebe sich eigne, von nun an jedes Jahr mit einem stets größeren und imposanteren Gefolge besuchen werde".

 

"Unermeßlich" war schon damals die Zahl der Zuschauer, die den Zug, dessen Vorbeimarsch eine gute halbe Stunde dauerte, bejubelten. "Selbst Blinde hatten sich. ..an die durchzogenen Straßen führen und den Zug beschreiben lassen."

 

Quelle:
Alfons Houben
3 x Düsseldorf Helau
Die Geschichte des Düsseldorfer Karnevals
Herausgegeben vom Comitee Düsseldorfer Karneval e.V.
zum Jubiläumsjahr 2000
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