Eventkalender
| « FEBRUAR » | « 2012 » |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
|
01 |
02 |
03 |
04 |
05 |
|
06 |
07 |
08 |
09 |
10 |
11 |
12 |
|
13 |
14 |
15 |
16 |
17 |
18 |
19 |
|
20 |
21 |
22 |
23 |
24 |
25 |
26 |
|
27 |
28 |
29 |
|
|
|
|
Rosenmontag: 20.02.2012
der Zoch kütt in
Auf dem Gipfel der Fröhlichkeit
Den Gipfel der Fröhlichkeit und Ausgelassenheit erklomm der Karneval in Düsseldorf unter Kurfürst Johann Wilhelm, dem nach wie vor liebevoll "Jan Wellem" genannten kulturbeflissensten und ausgabesüchtigsten Potentaten, der "einsam im Grünspan der Jahrhunderte... auf dickem Roß von seinem Marktplatz in die Ewigkeit reitet", wie der Dichter Wilhelm Schäfer vor Jahrzehnten das vom hohen Herrscher selbst errichtete Denkmal vor dem Rathaus trefflich beschrieb. Hoffeste und Theateraufführungen fielen während seiner Regentschaft (1679-1716) vornehmlich in die Fastnachtszeit, und die närrischen Feste erhielten durch Anna Maria Louisa, Jan Wellems zweite Gemahlin, Tochter des toskanischen Großherzogs Cosimo III., dank Einbeziehung heimatlicher Bräuche etwas italienischen Einschlag.
Die fürstlichen Gastgeber verkleideten sich bei den Maskenbällen im Schloß häufig als Gastwirtspaar, und sie sind als solches noch auf zwei von drei Bildern des Hofmalers Jan Frans van Douven zu bewundern, die im Palazzo Pitti in Florenz vom Glanz höfischer Tage in Düsseldorf erzählen. Bei einer Maskerade im Jahre 1697 übernahm die stets zu Späßen aufgelegte Kurfürstin, eine schlanke, feingliedrige Frau, die Leibesfülle eines korpulenten Onkels und freute sich diebisch, daß keiner der zu Gast weilenden Hofleute ihres Vaters sie erkannte. Die zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges Anfang des 18. Jahrhunderts verständlicherweise eingeschlafenen Lustbarkeiten - auch Jan Weilern mußte in die Schlacht - wurden durch sogenannte Karnevalsopern ergänzt die eigentlich nur insofern mit dem Karneval zu tun hatten, als sie in der närrischen Zeit über die Bühne gingen: teils im 1696 eingeweihten ersten Opernhaus der Stadt an der Mühlenstraße, auf dem Gelände des heutigen Gerichtskolosses.
Den Anstoß zu jährlichen Opernaufführungen im Karneval am Hof hatte Jan Wellem schon als Erbprinz zu Beginn seiner Regentschaft 1697 in Jülich-Berg gegeben. Nach seinem Tod 1716 und der Rückkehr seiner Witwe in ihre Heimat war es dann endgültig mit dem bunten Treiben früherer Jahre vorbei. es wurde bald über mangelnde Zerstreuung zu Karneval geklagt.
Neben dem Karneval am Hof des zweiten Johann Wilhelm, der sich häufig verkleidet unters Volk mischte und seinerseits die Bürger aufs Schloß einlud, blühte endlich aber auch das Fastnachtstreiben in den Straßen und -255 Gassen, auf Burgplatz und Markt und in den Häusern. Schon früh wird über Schwerttänze berichtet, die, wie in anderen Städten lange Vorrecht der Metzger, sogar im Schloßhof aufmerksame fürstliche Zuschauer fanden.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist viel von den Nachbarschaften die Rede, in denen sich die Bewohner einer oder mehrerer Straßen zu gegenseitiger Hilfe in Not und Bedrängnis zusammenschlossen, die aber auch Fastelowend zu feiern verstanden. Wer bei diesen Zusammenkünften - an einem der tollen Tage, meistens dienstags - allerdings aus der Rolle fiel, hatte mit schweren Strafen zu rechnen. So ist in einer "Geheimen Rats-Verordnung" vom 9. Februar 1788 ausgerechnet unter Punkt 11, der Karnevalszahl, nachzulesen, daß "alle Ruhe" beizubehalten sei, jeder Nachbar sich vor Fluchen, Schwören und Gotteslästerungen zu hüten sowie besondere Streitigkeiten zu meiden habe. Unruhestifter sollten ein "Viertel Ahm gutes Bier" (immerhin 35 bis 40 Liter) bezahlen oder, wenn das nichts helfen würde, einem "hochloblichen Magistrat" gemeldet werden. [nach oben]
